Künstlerateliers im Schloss Kirchberg

Dieter Rehberger

Dieter Rehberger bezieht 2008 sein Atelier im Innenhof von Schloss Kirchberg. Bis heute arbeitet er fast täglich in seinen Räumen. Nicht nur Zeichnen und Malen, auch Radieren, Holzschnitt und Kettensägen gehören zu seinem Schaffen. Sein Credo: Die einzige Möglichkeit nie zu scheitern, ist nicht zu versuchen. (Bertrand Picard)

Susanne Neuner

Von 1967 bis 1970 absolvierte Susanne Neuner eine Lehre als Buchbinderin. Von 1970 bis 1975 studierte sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Gunter Böhmer. 1970 erhielt sie den Bundespreis des Buchbinderhandwerks und 1975 den 1. Preis im Akademiewettbewerb der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 1983 wurde sie von der Kunststiftung des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Seit 1999 werden Susanne Neuner Lehraufträge an der Haller Akademie der Künste, Schwäbisch Hall, und seit 2000 an der Philipps-Universität Marburg am Institut für Bildende Kunst übertragen. Im Sommersemester 2016 war sie Vertretungsprofessorin am Institut für Bildende Kunst der Philipps-Universität Marburg. Susanne Neuner lebt und arbeitet in Rot am See, Brettheim. Susanne Neuner ist die Enkeltochter von Friedrich Hermann Ernst Schneidler.

Sonja Streng

Besondere Worte, besondere Orte, Erinnerungsfragmente, Fundstücke, geistige oder greifbare, sind Inspirationsquelle und Anstoss für ganze Werkserien. Dabei entsteht in großformatigen Malereien und Serien von Farbzeichnungen und Collagen eine persönliche Erinnerungskultur.

So stellte ich mir eines Tages die Frage: "Wo, eigentlich, liegt Hilversum?"

Ein in meiner Kindheit per Drehknopf auf der Senderskala eines alten Radiogerätes anwählbarer Ort, wo ich noch nie war, von dem in inzwischen leider weiß, wo ungefähr er liegt, aber nicht so ganz genau und es auch nicht ganz genau wissen will - wo ich eigentlich auch nie hin will, weil ich nicht wissen möchte, wie es dort genau aussieht, wie man dorthin kommt.

Es wäre ganz einfach, die Route aus dem Straßenatlas herauszusuchen, aber ich vermeide es sorgfältig, die genauen Koordinaten dieser Stadt herauszufinden, deren Name mit einer verborgenen Schublade verbunden ist, die ich nicht ganz öffnen, auf- oder ausräumen will, die ich bewahren möchte, so, wie sie ist - vielleicht wie die Nähschublade meiner Mutter in einer Kommode.

Irgendwann in den vergangenen Jahren fuhr ich in den Harz, wo ich unterwegs an der Autobahnausfahrt "Melsungen" vorbeikam, eingerahmt von einem kahlen, hohen Hügel, bedeckt mit gelbem, welkem Gras und Strommasten und sonst nichts, darüber grauer Himmel und sonst nichts.

Natürlich habe ich mir überlegt, wie es wohl in "Melsungen" aussieht, aber eigentlich will ich nicht genau wissen, wie es dort aussieht und wie man dorthin kommt.



Ulrike Wilkens-Eppinger

In meiner Malerei bearbeite ich Themen, wie z.B. Pflanzenpollen, Kühe oder Portraits, mit denen ich mich dann längere Zeit auseinandersetze.

Kühe hören gut und gerne, vielleicht sind sie sogar musikalisch? In meiner Arbeit mit dem Thema Kühe habe ich sie immer mehr als Teil der Landschaft gesehen und verstanden und jede Landschaft hat ihre ganz eigene Melodie. Die letzten Bilder meiner „Kuh-Serie“ heißen „Landschaft“ eins, zwei und drei. Frische Luft, Bewegung, Würde, Weite, Freiheit - draußen in der Landschaft.

Je mehr ich im Prozess der Malerei Kühe angeschaut habe, desto mehr habe ich Respekt und Bewunderung empfunden für diese Tiere, die in einem geheimnisvollen Prozess der Umwandlung Gras in Milch verwandeln können. Da liegen sie dann und käuen wieder, nehmen sich Zeit, alles Aufgenommene zu verdauen, und strahlen eine gelassene Ruhe aus - „Meditation“ fiel mir dazu ein.

Dieser kostbare Umwandlungsprozess von Gras in Milch erinnerte mich an das Märchen, in dem die arme Müllerstochter eine Kammer voll Stroh zu Gold verspinnen soll- und es nicht kann - und dann kommt zum Glück das Rumpelstilzchen!

In meiner Malerei verwende ich Erdfarben, Pigmente, Ölfarben, Kreiden - es gibt Bilder, die mit Blattgold grundiert sind oder bei denen gemörserte Halbedelsteine, wie z.B. Pyrit verwendet wurden.

Nachdem das Thema Kühe für mich erst einmal abgeschlossen ist, male ich zur Zeit abstrakt. Auch hier gibt es ein Thema: „Schnittmengen“ oder auch „eins und eins = gemeinsam“.